Liebe Freundinnen und Freunde des Appenzeller Kammerorchesters
Unser neues Programm enthält eine ganz besondere musikalische Rarität: Franz Schuberts Arpeggione-Sonate mit dem Original-Instrument. Meistens ist das Werk in einer Fassung für Cello und Klavier zu hören. Das Appenzeller Kammerorchester aber hat mit Martin Zeller einen der ganz wenigen Arpeggione-Spieler als Solist gewinnen können. Ein Genuss, den Sie sich nicht entgehen lassen sollten!
Werke von Max Bruch und Johan Svendsen mit nordisch geprägten Melodien ergänzen das Programm für einen lauen Sommerabend. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.
Anita Dörler, Präsidentin
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Auf der Suche nach weiten Bögen, neuen Farben und lyrischer Tiefe |
«… in eine beßre Welt entrückt,»
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Ein Programm für laue Sommerabende. Illustration: Werner Meier. |
Nach Barock und Klassik wendet sich das Appenzeller Kammerorchester in seinem neuen Programm der Romantik zu – auf der Suche nach weiten Bögen, neuen Farben und lyrischer Tiefe.
Kunst als Fenster zu etwas Grösserem
Die Romantik entwickelte sich um 1800 aus einer geistigen Bewegung, die Kunst, Philosophie und Lebensgefühl grundlegend veränderte. Die Frühromantiker glaubten an eine ideale Welt hinter dem Sichtbaren. Für sie war das Kunstwerk ein Fenster zur inneren Wahrheit – zu etwas Grösserem. Sie erweiterten die klassischen Formen und erfüllten die Musik mit grösserer Innerlichkeit, vielfältigen Klangfarben und dramatischen Stimmungswechseln. Das gesellschaftliche und kulturelle Leben verlagerte sich in private und gesellige Räume. Hausmusik, Lied und Kammermusik prägten eine Kunst des kleinen Rahmens. Zugleich gewannen volksmusikalische Elemente an Bedeutung.
Nur ganz selten zu hören: «Guitarre d'amour»
In diesem Umfeld entwickelte Franz Schubert seine musikalische Sprache. 1824 entstand unter anderem die Sonate für Arpeggione und Klavier. Das Arpeggione, auch «Guitarre d’amour» genannt, wurde 1823 erfunden, war nur wenige Jahre in Mode und verschwand bald wieder. Für Schubert eröffnete das Instrument mit seinen sechs Saiten und Bünden neue Möglichkeiten. Der Solopart entfaltet sich wie eine Stimme – erzählend, träumend, erinnernd. Besonders im langsamen Satz entsteht jene schwebende Klangwelt, die Schuberts Musik prägt: ein Innehalten zwischen Melancholie und Trost.
Die Arpeggione-Sonate ist meist mit Cello und Klavier zu hören. Dem Appenzeller Kammerorchester ist es gelungen, mit dem Zürcher Musiker Martin Zeller einen der ganz wenigen Arpeggione-Spieler als Solist zu gewinnen (dazu das folgende kurze Interview).
Nordische Melodien als Vorlagen
Die Werke des Norwegers Johan Svendsen und des Rheinländers Max Bruch greifen Volksweisen auf. Svendsen verarbeitet nordische Melodien zu klangvollen, oft tänzerisch geprägten Orchesterstücken. Max Bruch greift in seiner spät entstandenen Serenade auf schwedische Vorlagen zurück und verbindet deren schlichte, sangliche Linien mit der spätromantischen Klangsprache.
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Solist Martin Zeller. Bild: Matthias Müller.
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Konzertdaten |
Bitte die gegenüber dem letzten Newsletter geänderten Daten beachten:
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Donnerstag, 11. Juni 2026, 20.00 Uhr, Kirche Stein AR
- Freitag, 12. Juni 2026, 19.30 Uhr, Kirche Trogen
- Sonntag, 14. Juni 2026, 18.00 Uhr, Ziegelhütte Appenzell
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«Nur ein paar wenige sind dann verrückt genug und besorgen sich ein Arpeggione»
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Das Arpeggione - ein Instrument mit unverwechselbarer Klangfarbe |
Martin Zeller, unter anderem Solocellist und Gambist der St.Galler Bachstiftung, ist einer der führenden Schweizer Spezialisten für Alte Musik und dabei besonders fasziniert von ungewohnten, mehr oder weniger in Vergessenheit geratenen Streichinstrumenten. Am Arpeggione besonders auffallend ist für ihn die unverwechselbare Klangfarbe, ihr eher heller und schlanker Ton
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Fast in Vergessenheit geraten: das Arpeggione. Bild: Martin Zeller.
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Zuerst eine ganz banale Frage: Was ist ein Arpeggione und wie sieht es aus?
Martin Zeller: Ein Arpeggione ist eine Art Gitarre mit rundem Steg, sodass man wie bei einem Cello darauf streichen kann. Entsprechend wurde das Instrument im 19. Jahrhundert auch Streichgitarre oder Guitarre d’Amour genannt.
Warum ist das Instrument fast ganz in Vergessenheit geraten? Gibt es noch andere Instrumente, welche dieses «Schicksal» teilen?
Vermutlich war das Klangvolumen des Arpeggione für die im Laufe des 19.Jahrhunderts immer grösser werdenden Konzertsäle zu klein, es ist eher für Kammermusik geeignet. Wäre das Arpeggione ein Sänger, wäre es eher im Liedfach zuhause und würde sich kaum an grosse Opernpartien machen. Unter den mit dem Arpeggione verwandten Streichinstrumenten gibt es z.B. das Baryton, ebenfalls ein 6-saitiges Streichinstrument, das aber zusätzliche Resonsanzsaiten hat, die mit dem linken Daumen gezupft werden können. Es ist heute vor allem dank unzähligen Trios von Joseph Haydn noch einigermassen bekannt, die barocke Variante ist aber fast komplett vergessen.
Erfindungsreiche Instrumentenbauer gab es in allen Epochen und Instrumentengattungen. Beispiele aus dem 19. Jahrhundert: Wer kennt heute noch die Orphika (ein Outdoor-Klavier mit Tragegurt) oder das Cécilium (ein Einhand-Harmonium)? Dann gibt es auch kuriose Instrumente wie das Wurstfagott oder das Pyrophon. Letzteres konnte während eines Konzerts auch mal explodieren, das Arpeggione ist diesbezüglich weit ungefährlicher.
Sie gehören zu den wenigen Musikern, welche das Instrument noch spielen. Was fasziniert Sie am Arpeggione?
Das Arpeggione ist ja vor allem wegen der gleichnamigen Sonate von Schubert bekannt. Alle Cellisten beschäftigen sich früher oder später mit diesem wunderbaren Werk und die meisten fragen sich, wie wohl das Originalinstrument geklungen hat.
Nur ein paar wenige sind dann verrückt genug, sich ein Arpeggione zu besorgen und darauf spielen zu lernen. Die Mühe lohnt sich aber, weil das Instrument aufgrund seiner von der Gitarre beeinflussten Bauweise eine eigene, unverwechselbare Klangfarbe hat. Diese wurde damals mit Holzblasinstrumenten verglichen: in der Höhe wie eine Oboe, in der Tiefe wie ein Bassetthorn. Auf jeden Fall klingt es nicht wie eine Viola da Gamba und schon gar nicht wie ein Cello, eher heller und schlanker im Ton.
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Viele Jahre lang unsere Werbung geprägt |
Silvia Droz übergibt an Antonia Bannwart |
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Über viele Jahre hat die Teufner Grafikerin Silvia Droz – immer zusammen mit Werner Meier, der weiter für die Illustrationen verantwortlich zeichnet – die Flyer und Plakate des Appenzeller Kammerorchesters gestaltet und damit unser Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit geprägt. Dafür gilt ihr ein ganz grosser Dank!
Ende des letzten Jahres hat sie diese Aufgabe an Antonia Bannwart, Heiden, weitergegeben, die das neue Plakat und das Programm gestaltet hat. Wir freuen uns auf eine ebenso gute und ideenreiche Zusammenarbeit.
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Aline Sonderegger: Der langen Rede kurzer Sinn...
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... Musik ist immer ein Gewinn |
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Aline Sonderegger liebt die Volksmusik. Bild: zVg. |
Meine Brüder verbaten mir, in der Stube Geige zu üben. Verständlich eigentlich, da die ersten Jahre meines Geigenspiels darin bestanden, das Dü-da-Auto zu vertonen. Die Familie bringt also ein grosses Opfer, wenn sie ein Kind bereits mit vier Jahren Geigenspielen lernen lässt, danke. Ich bin Aline, 24 Jahre alt, und habe soeben mein Biologiestudium abgeschlossen. Ich durfte schon vieles mit meiner Geige erleben. Von Versteckenspielen mit der Geigenlehrerin in den frühen Jahren zu Reisen mit meiner Geige. Geblieben ist mir stets die Freude an der Musik und am «Fidlä». In bester Erinnerung sind mir ein Schaufenster-Konzert in der Altstadt von St. Gallen und eine Strassenmusikreise durch die Schweiz mit einer guten Freundin und Volksmusikerin. Was wir auf der Strasse verdienten, investierten wir in Zugbillete - wir haben es immerhin bis Thun geschafft!
Meine Geige hat mich auch auf eine Auslandreise begleitet – an Lagerfeuer im tiefen Winter von Røros, Norwegen, und auf die Strassen von Stockholm, wo ich die nordische Volksmusik ins Herz geschlossen habe. Am schönsten finde ich es, wenn sich Menschen durch die Musik begegnen, die sich sonst nicht treffen würden. Und wenn sie dann alle zum Instrument greifen, wird musiziert, getanzt und gelacht. Ich spiele alles gerne, von Schweizer Volksmusik, Volksmusik aus ganzer Welt, Pop, Filmmusik oder Klassik. Egal welcher Stil, die Musik hat die Kraft, über Generationen, Sprachen und Länder Brücken zu schlagen.
An der Kantonsschule Trogen durfte ich Geigenstunden bei Paul Giger nehmen, der mich inspiriert und mir neue musikalische Welten geöffnet hat. Im Vordergrund standen stets die Freude am Geigenspiel und die Emotionen, die uns die Musik bringt. Uns verbindet noch heute nicht nur die Musik, sondern auch das Naturbewusstsein. Beide spielten wir auch im Kanti-Orchester, das von Jürg Surber dirigiert wurde, der lange auch das Appenzeller Kammerorchester leitete. Damals entstand der Wunsch, nach der Matur dem Kammerorchester beizutreten. Später lernte ich Christine Baumann kennen, die Konzertmeisterin des Appenzeller Kammerorchesters, die ich direkt ins Herz schloss. Da ich aber in Bern studierte, war es mir lange nicht möglich beizutreten. Endlich ist es so weit! Ich freue mich auf gemeinsame musikalische Reisen mit dem Orchester und hoffe, viele Jahre mitwirken zu dürfen.
Nach einem höchst erfreulichen Start führt mich die berufliche «Reise» nun allerdings für ein Jahr nach Brasilien – natürlich mit der Geige im Gepäck. Aufs Wiedersehen mit dem Orchester freue ich mich jetzt schon!
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Anita Dörler, Präsidentin, Wildeggstrasse 40, 9000 St.Gallen, 071 222 82 66 praesidentin@kammerorchester-ar.ch |
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