Im Zentrum des neuen Programms des Appenzeller Kammerorchesters steht Johann Sebastian Bachs Cembalokonzert in d-Moll BWV 1052 – eines seiner kraftvollsten und virtuosesten Werke für Cembalo und Streicher mit Marie-Louise Dähler als Solistin. Die Geschichte des Cembalokonzerts führt mitten in Bachs Umgang mit seiner eigenen Musik. Er verwendet ältere Fassungen, überarbeitet und ergänzt sie, verbindet sie mit Texten. Das Programm «Verwandlungen» macht dies auf eindrückliche Art und Weise hörbar.

Illustration: Werner Meier.
Den Solopart übernimmt Marie-Louise Dähler. Aufgewachsen in einer Berner Musikerfamilie, begann sie bereits im Alter von fünf Jahren mit dem Cembalospiel und studierte später bei ihrem Vater Jörg Ewald Dähler in Bern und bei Johann Sonnleitner in Zürich. Mit dem Appenzeller Kammerorchester verbindet sie eine langjährige Zusammenarbeit: Bereits 2006 führte sie mit dem Orchester Bachs d-Moll-Cembalokonzert auf. Zwanzig Jahre später begegnen sich Solistin, Orchester und Werk erneut.
Bach entwickelt Bach weiter
Die Geschichte des Cembalokonzerts führt mitten in Bachs Umgang mit eigener Musik. Die überlieferte Fassung für Cembalo und Streicher entstand um 1738. Ihr musikalisches Material ist jedoch älter und geht vermutlich auf ein heute verschollenes Violinkonzert zurück. Bereits in den 1720er-Jahren hatte Bach dieselbe Musik in zwei Kantaten verwendet. In BWV 146 erscheinen die ersten beiden Sätze: der erste als einleitende Sinfonia, der langsame zweite Satz als Eingangschor. Bach fügte der vorhandenen Instrumentalmusik vier Singstimmen hinzu und verband sie mit den Worten «Wir müssen durch viel Trübsal in das Reich Gottes eingehen». Die Musik des Finales steht als Sinfonia am Beginn der Kantate BWV 188 «Ich habe meine Zuversicht».
Verändern Worte die Musik?
Das Programm «Verwandlungen» führt diese verschiedenen Gestalten wieder zusammen. Die drei Sätze des Cembalokonzerts werden mit Musik und Texten aus den beiden Kantaten verschränkt. Dabei stellt das Programm auch die Frage, wie sich dieselbe Musik verändert, wenn sie in einen neuen Zusammenhang tritt: Geben die Worte der Musik eine neue Bedeutung oder lassen sie etwas deutlicher hören, das bereits in ihr angelegt ist?
Mozarts Bearbeitungen als Klammer
Auch Mozart beschäftigte sich intensiv mit Bachs Musik. Im Kreis um Baron Gottfried van Swieten studierte und spielte er Fugen aus dem «Wohltemperierten Klavier» und bearbeitete mehrere davon für Streicher. Diese Bearbeitungen bilden die äussere Klammer des Programms: Es beginnt in d-Moll und führt am Ende nach D-Dur.
